Fenja Vandilsdóttir

Es war ein kalter Abend im Herbst des Jahres 1024, als Fenja gerade ein Stück näher ans Feuer rückte, das den dunklen Raum ihres Langhauses erwärmte. Sie war grade wieder dabei, eine ihrer wunderschönen Borten zu weben, die sie sowohl an ihr eigenes Gewand nähte, als auch gewinnbringend auf dem Markt der nächsten Siedlung verkaufen konnte.

Rhythmisch wiederholte sich der Klang des Ambosses aus dem Nebengebäude, in dem ihr Mann seine Schmiede untergebracht hatte. In den dunklen Wintermonaten arbeitete er oft viele Stunden an den Auftragsarbeiten der umliegenden Gehöfte und kam meist erst spätabends aus seiner Schmiede zurück.

Plötzlich verstummte der helle Klang, der das Auftreffen des Hammers auf dem Werkstück begleitete und wurde durch lautes Geschrei und dem Geräusch aufeinander treffender Klingen ersetzt. Panik ergriff von ihr Besitz als sie realisierte, dass der Tod vor der Türe stand. Doch Fenja war keine Frau, die sich hinter den großen Truhen im Schlafraum versteckte und ergriff zügig eine an der Wand hängende Axt, mit der sie normalerweise jeden Morgen Kleinholz für das Herdfeuer hackte. Mit Mut in ihrem Herzen begab sie sich zur Türe, um ihrem geliebten Mann zu Hilfe zu eilen.

Als sie ihn umringt von Feinden, mörderischen Gestalten, welche bis an die Zähne bewaffnet waren, in der Schmiede vorfand, sah sie bereits das Ende ihrer gemeinsamen Zeit gekommen. Kurz erinnerte sie sich an die Truppe junger Krieger, die einige Tage zuvor ihren Hof passiert hatten und einige Goldmünzen gegen geschmiedete Äxte und handgewebte Borten getauscht hatten. Hatten sie sie verraten?

Just in jenem Moment als sie ihrem verwundetem Mann zu Hilfe eilen wollte, erschallte von draußen der tiefe Klang eines Nordmannenhorns. Wildes Gebrüll und schreckliche Schreie drangen durch die Dielen der rauchverhangenen Schmiede. Sie erkannte den Klang des Horns, es war das Horn der Abtrünnigen.

Es war ein Leichtes für die kampferprobten Recken das Diebespack zur Strecke zu bringen, und fast schon zufrieden sah sie mit an, wie einer nach dem anderen niedergestreckt wurde.

Dennoch war der Hof der beiden nicht mehr zu retten, da sich das Feuer bereits auf weite Teile des Langhauses ausgebreitet hatte. In Dankbarkeit ihr Leben behalten zu haben, schlossen sie sich den Abtrünnigen an und reisten fortan mit der Gruppe durch die Welt.

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